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Deutsche Bauzeitung vom 27. Mai 2021: Aus der Zeit gefallen – Paketpostareal – die Hochhausdebatte in München geht in die nächste Runde

Manche Menschen halten es für Fortschritt, wenn die ersten Weltraumtouristen auf dem Mars landen. Und manche sprechen von Mut, wenn in München 155 m hohe Twin Towers gebaut werden sollen. Seit der Münchner Immobilien-Unternehmer Ralf Büschl seine von dem renommierten Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron skizzierten Pläne für das Areal um die denkmalgeschützte Paketposthalle in der Öffentlichkeit lanciert hat, wird v. a. über eins diskutiert: die Höhe und die Sichtbarkeit im Stadtbild. Nicht aber über städtebauliche, architektonische und gesellschaftsrelevante Qualitäten, die zukunftsfähig und resilient sein müssen. »München ist keine Hochhausstadt«, heißt es in der Präambel des von 03 Architekten erarbeiteten Entwurfs zu einer neuen Hochhausstudie für die Voralpenstadt. Seit einem Bürgerentscheid von 2004 galten 100 m als Reizschwelle für neue Hochbauprojekte. Es war auch die Reizschwelle für ambitionierte Gipfelstürmer: Wer schafft es als Erster, in dieser Flächenstadt einen neuen Höhenrekord zu setzten. Die aktuelle Studie argumentiert klüger und justiert feiner: Selbstverständlich soll es in München möglich sein, »Hochhäuser in geeigneter städtebaulicher Situation und in angemessener Höhe als städtebauliches und gestalterisches Mittel einsetzen zu können«. Die herausragenden »Stadtzeichen« sollten »eine Bedeutung und ein Narrativ vertreten und durch ihren städtebaulichen und architektonischen Ausdruck vermitteln«.
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Die beachtliche Höhe der Doppeltürme scheint im Verhältnis zu der einmaligen Paketposthalle willkürlich zu sein. Sicher verträgt das 30 m hoch und 145 m weit gespannte Ingenieur-Bauwerk höhere Häuser neben sich, aber sie müssen eben angemessen proportioniert sein. Und vielleicht sind dann zwei ja auch zu wenig. Weniger hohe architektonische Akzente würden weder den in der Hochhausstudie als »introvertiert« eingestuften nahen Hirschgarten traktieren noch die »gebaute Illusion« des Nymphenburger Parks irritieren. In jedem Fall müsste das neue Quartier seine ganze Stärke aus der 1965/69 errichteten und seit 1996 unter Denkmalschutz stehenden Faltbogenhalle schöpfen. Im Moment aber scheint das 20 000 m2 überspannende Flächentragwerk eher als Entlastungsbauwerk für den Investor zu fungieren: An diesem Ort wird der von der Stadt zwingend für hohe Häuser geforderte Freiraum versprochen, der nicht in dem ansonsten engstens bebauten Mischquartier (die Bayerische Bauordnung hat gerade die obligaten Abstandsflächen reduziert) und schon gar nicht im Eingangsbereich der eher exklusiven Türme realisiert werden kann. Die von der Idee einer frei kulturell bespielbaren, taghellen Halle berauschte Öffentlichkeit hat auch noch nicht realisiert, dass das Denkmal mit viel technischem Aufwand mehrgeschossig unterbaut werden soll.
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von Ira Mazzoni

Visualisierung: © Herzog & de Meuron

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